Veröffentlicht am: 20.04.11

Einfach mal fallen lassen - Kinder wissen wie´s geht

Susanne Bernsmann, Carolin Bretl, Jutta Croll, Stiftung Digitale Chancen

Gespräch zwischen Schülerinnen und Schülern der Klasse 6c der Karl-Weise Grundschule in Berlin Neukölln und der Stiftung Digitale Chancen

Online-Games spielen, in sozialen Netzwerken chatten, Musik hören und Videos ansehen - die vielzähligen Möglichkeiten des Internet spielen im Alltag von Kindern und Jugendlichen eine wichtige Rolle. Um sie bei ihren Erfahrungen im Umgang mit dem Internet und Web 2.0 zu unterstützen, betreut Martin Riemer als 'Grundschul-Blogger' eine Schreibwerkstatt in der Bibliothek der Karl-Weise Grundschule in Berlin Neukölln. Der dort produzierte Schulweblog http://karlweise.blogspot.com/ bietet Schülerinnen und Schülern, sowie Lehrern, Eltern und Erziehern eine Schnittstelle zum sogenannten Mitmach-Netz und gibt Außenstehenden einen guten Einblick in die tagesaktuellen Aktivitäten der Schule.

Bei einem Zusammentreffen am 2. UdL Digital Roundtable zum Thema Kinderrechte und Elternpflichten in der digitalen Gesellschaft' im März 2011, welchen die Stiftung Digitale Chancen zusammen mit der E-Plus Gruppe veranstaltet hat, haben zwei Schüler der Klasse 6c der Karl-Weise Grundschule einen Einblick in die Arbeit der Stiftung bekommen. Nun wollte die Klasse es noch genauer wissen und hat ein Team der Stiftung am 15. April, dem letzten Schultag vor den Osterferien, eingeladen, von ihrem Arbeitsalltag zu berichten und auf weitere Fragen zum Thema Internetnutzung und Medienkompetenz zu antworten.

Zuerst wollten die Schülerinnen und Schüler wissen, wie und warum die Stiftung eigentlich entstanden ist, wie es zu den verschiedenen Projekten gekommen ist und welche Aufgaben man als Stiftungsmitarbeiter hat. Da die meisten Jugendlichen zu Hause einen Computer haben und sehr oft im Netz unterwegs sind, war ihnen der Gedanke, dass man die Internetnutzung fördern muss, neu.

Jutta Croll berichtete daraufhin von den Anfängen der Stiftung vor ca. 10 Jahren, als etwa nur ein Drittel der deutschen Bevölkerung das Internet nutzte. Die Stiftung hatte es sich damals zur Aufgabe gemacht, allen Bürgerinnen und Bürgern in Deutschland in gleichem Maße die Möglichkeiten des Internet zur Verfügung zu stellen - dafür waren und sind öffentliche Interneterfahrungsorte wichtige Anlaufstellen, die in der Datenbank der Stiftung zu finden sind. Im Netz unterrepräsentierte Zielgruppen wie z.B. ältere Menschen oder Migrantinnen und Migranten erhalten zielgerichtete Unterstützung in den verschiedenen Projekten der Stiftung. Damit diese Maßnahmen von anderen Institutionen, z.B. Bundesministerien, der Europäischen Kommission oder Unternehmen gefördert werden, müssen die Mitarbeitenden der Stiftung zuerst einmal eine gute Idee haben, wie man das jeweilige Problem lösen kann. Aus der Idee wird ein umfassendes Konzept erarbeitet, welches dann im Anschluss den Mittelgebern vorgestellt wird. Anregungen für Projekte und Maßnahmen kommen meist aus den Studien und Forschungsarbeiten der Stiftung sowie der Arbeit in anderen Projekten oder Veranstaltungen. Die Projekte der Stiftung Digitale Chancen sind sehr vielfältig und umfassen viele verschiedene Aufgaben, wie die Organisation von Medienkompetenztrainings, das Testen von Jugendschutzsoftware und barrierefreien Webseiten oder die Planung und Durchführung von Wettbewerben oder Konferenzen.

Im Anschluss berichteten die Schülerinnen und Schüler, wie sie selbst im Netz unterwegs sind - dabei zeigte sich, dass alle mindestens einen PC mit Internetzugang zu Hause haben und diesen regelmäßig nutzen. Die meisten von ihnen sind auf sozialen Onlineplattformen vernetzt, vor allem bei facebook - auch wenn sie laut dortiger Altersbeschränkung von 13 Jahren offiziell noch zu jung sind - und nutzen die dort angebotenen Funktionen wie Chatten, Kommentare abgeben oder Fotos einstellen. Sie sind z.T. zwar mit ihren Eltern auf facebook befreundet, wenn diese dort ein Profil haben, allerdings eher ungern und blocken diese für bestimmte Funktionen, damit sie sich 'unbeobachtet' äußern können. Auf die Nachfrage, ob sie auch gemeinsam mit ihren Eltern das Internet nutzen bzw. was ihre Eltern im Internet machen, entgegnen viele, dass sie Mutter oder Vater ungern etwas am PC zeigen oder beibringen, da sie das Gerät dann öfter teilen und selber seltener nutzen können. Weiterhin erzählen sie, dass oft wenig gemeinsame Interessen bestehen, da die Eltern sich meist über die aktuellen Nachrichten oder Sportergebnisse informieren, online Shoppen oder für die Kinder eher 'langweilige' Spiele wie Schach und Solitär spielen.

Online-Games liegen bei den Schülerinnen und Schülern auch ganz vorne - oft sind es Ballerspiele, die sie gerne nutzen - aber dennoch reflektieren sie deren möglichen negativen Auswirkungen. So erzählte ein Schüler: "Bei dem Spiel brauchte ich mehr Waffen, um besser spielen zu können und die musste ich mir dann richtig kaufen - das war schon viel Geld! Da habe ich gemerkt, dass ich süchtig bin und nicht mehr an meine anderen Hobbies gedacht hab und das Spiel dann vom Computer gelöscht."

Daneben werden von den Schülerinnen und Schülern gerne verschiedene spielerisch angelegte Lernplattformen bzw. Lernsoftware genutzt, um den Schulstoff zu üben wie z.B. Lerntrix.de, Matheland.de oder scoyo.de. Das Internet kann auch sehr hilfreich bei Recherchen für die Hausaufgaben oder die Vorbereitung auf den Unterricht sein, z.B. auf dem Online-Portal Antolin, bei dem die Nutzer Fragen zu Büchern zur Förderung des eigenständigen Lesens beantworten.

Computer und andere digitale Medien stehen in der Schulbibliothek allen Schülerinnen und Schülern zur freien Verfügung. Dass sie damit umgehen können zeigen sie in den Texten und Fotos des Schulweblogs aber auch mit selbst produzierten Videos auf Youtube.

"An der Karl-Weise Schule sind digitale Medien ein selbstverständlicher Teil des Unterrichtsalltags, davon konnten wir uns überzeugen", sagt Jutta Croll, Geschäftsführerin der Stiftung Digitale Chancen. "Kinder brauchen Unterstützung bei der Nutzung des Internet. Aber Erwachsene dürfen sich - wie in dem Schulvideo - ruhig auch mal fallen lassen und auf die Fähigkeiten der Kinder vertrauen."

Beim Thema Mobbing im Internet zeigten die Schülerinnen und Schüler, dass sie die Online-Welt von der realen Welt zu unterscheiden wissen. Aus ihrer Sicht ist es feige, andere Mädchen und Jungen auf anonymen Seiten zu mobben, da man sich gar nicht persönlich kennt und sich so schwer wehren kann. Eine Auseinandersetzung sollte am besten von Angesicht zu Angesicht im realen Leben stattfinden, wo man direkt reagieren kann. Aber auch wenn die Kommentare in sozialen Netzwerken wieder gelöscht werden können, vergisst man die Anfeindungen selten: "Die schlimmen Ausdrücke bleiben in den Gedanken und im Herzen", sagte eine Schülerin. "Eine Versöhnung in der wirklichen Welt hilft mehr als eine Entschuldigung im Netz."

Martin Riemer berichtet auch von den negativen Vorurteilen, die dem Stadtteil Neukölln gegenüberstehen, der oft als 'Problemkiez' mit viel Jugendkriminalität abgestempelt wird. "Wir können das nicht mehr hören - an unserer Schule geht es nicht härter zu, als in anderen Stadtteilen Berlins. Unser Schulblog kann helfen, dies allen zu zeigen und die festgefahrenen Vorurteile abzubauen. Wir sind stolz auf die Anerkennung, die wir durch eine lobende Erwähnung beim Wettbewerb 'Klicken ist doch ein Klacks' erhalten haben."

Ayse und David der Klasse 6c werden auf dem Grundschulblog

Philipp und Ayse werden auf dem Grundschulblog über unseren Besuch berichten.



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