Veröffentlicht am: 27.04.05

USA: Mehr Filtersoftware in Privathaushalten

Amanda Lenhart, PEW - Pew Internet & American Life Project

54 Prozent der Eltern von Jugendlichen in den USA verwenden Internetfilter - weit mehr als im Jahr 2000

Mehr als die Hälfte der amerikanischen Familien mit Teenagern verwenden Filter, um den Zugang zu potentiell schädlichen Internetinhalten zu beschränken – das sind 65 Prozent mehr als im Jahr 2000. Eine große Mehrheit der Jugendlichen und der Eltern glaubt, dass Jugendliche Dinge im Internet tun, die die Eltern nicht gutheißen würden.

Eine neue Untersuchung mit 1.100 Jugendlichen zwischen 12 und 17 und ihren Eltern (ebenfalls 1.100) ergab, dass 54 Prozent der Familien mit Internetanschluss nun irgendeine Art von Filter- oder Überwachungssoftware nutzen. 2000, als das Pew Internet & American Life Project dieses Thema zuletzt untersuchte, waren es 41 Prozent der Familien mit Internetanschluss. Insgesamt leben ca. 19 Millionen Jugendliche in Haushalten mit Internetanschluss; die Zahl der Kinder, die in Haushalten mit Filter leben, stieg von 7 Millionen im Jahr 2000 auf heute 12 Millionen.

Die Filter werden am ehesten von Eltern verwendet, die selbst das Internet häufig nutzen und die Kinder im mittleren Schulalter haben. Eltern mit älteren Kindern und weniger Technikbegeisterung verwenden eher seltener eine Filtersoftware.

Eltern legen eine höhere Wachsamkeit an den Tag, um ihre Kinder vor Internetinhalten zu schützen, und gleichzeitig gibt es den überraschenden Konsens zwischen Eltern und ihren jugendlichen Kindern, dass die Teenager online nicht so vorsichtig sind, wie sie sein sollten und dass sie online Dinge tun, von denen ihre Eltern nichts wissen.
  • 81 Prozent der Eltern von Teenagern, die das Internet nutzen, meinen, dass die Teens nicht vorsichtig genug sind, wenn sie online Informationen über sich herausgeben, und 79 Prozent der Teens stimmen dem zu.
  • 65 Prozent aller Eltern und 64 Prozent aller Teenager glauben, dass Teenager online Dinge tun, die die Eltern nicht wissen sollen.
'Der uralte Kampf zwischen Eltern, die ihre Kinder schützen wollen und den Jugendlichen, die ihre Unabhängigkeit beweisen und in 'verbotene' Bereiche eindringen wollen, kommt online auf neue Weise zum Ausdruck,' erklärte Amanda Lenhart, die Untersuchungsexpertin, die den neuen Bericht des Pew Internet Project, 'Online-Schutz von Jugendlichen', geschrieben hat. 'Beide Seiten sind sich einig, dass – egal, wie sehr die Eltern sich bemühen - Jugendliche online Dinge tun, von denen sie wissen, dass ihre Eltern dagegen sind, und dass viele ein bisschen zu sorglos Informationen online preisgeben.'

Diese Ergebnisse erwscheinen just zu dem Zeitpunkt, an dem ein Bundesgericht einen Prozess gegen das Bundesgesetz zum Online-Schutz von Kindern (Child Online Protection Act, COPA) in Erwägung zieht, das 1998 verabschiedet wurde. In diesem Gesetz wurde gefordert, dass Websites, die 'für Minderjährige schädliches Material' enthalten, ein System zur Feststellung des Alters aufweisen müssen, z. B. über Angaben zur Kreditkarte, um sicherzustellen, dass die Besucher der Website über 18 sind. Die American Civil Liberties Union und andere Bürgerrechtsgruppen sind gerichtlich gegen den Staat vorgegangen und argumentieren, das COPA sei eine verfassungswidrige Einschränkung der freien Rede und der Datenschutzrechte Erwachsener.

Der Fall geisterte durch die Gerichte, bis das Oberste Gericht im Juni 2004 entschied, dass die Verfassungsmäßigkeit des Gesetzes in einem ordentlichen Gerichtsverfahren im Bundesbezirk Philadelphia überprüft werden sollte und es bis auf Weiteres nicht angewendet werden dürfe. Das Verfahren wird voraussichtlich im Laufe des Jahres 2005 eröffnet. Und einer der Schwerpunkte wird sein, festzustellen, ob Internetfilter den Zugang zu bestimmten Website- und Bildschirminhalten effektiv blockieren können.

Zusätzlich zur Verwendung von Filtern verwenden Eltern auch andere Methoden, um über die Aktivitäten ihrer Kinder auf dem Laufenden zu bleiben.
  • 73 Prozent der das Internet nutzenden Teenager geben an, der Computer sei an einem öffentlichen Ort in ihrem Haus platziert.
  • 65 Prozent der Eltern von diesen Jugendlichen sagen, dass sie die Zeit, die ihre Kinder online verbringen, regeln.
Immer noch gibt es allerdings große Wahrnehmungsdiskrepanzen darüber, in welchem Umfang Eltern ihre Kinder tatsächlich überwachen: 62 Prozent der Eltern geben an, sie überprüften die Surfgewohnheiten ihrer Kinder, nachdem sie ins Netz gegangen sind, aber nur 33 Prozent der Teenager, die das Internet von zu Hause aus nutzen, glauben, dass ihre Eltern ihre Online-Aktivitäten überwachen.

Die Untersuchung des Pew Internet Project wurde zwischen dem 26. Oktober und dem 28. November 2004 durchgeführt. Sie ergab, dass 87 Prozent der Jugendlichen zwischen 12 und 17 das Internet nutzen; in der Untersuchung vom Dezember 2000 waren es noch 74 Prozent.

Weitere Schlaglichter der Untersuchung:

  • In der Untersuchung wurde festgestellt, dass schlechte Online-Erfahrungen einige Jugendliche aus dem Internet vertreiben. Ca. 13 Prozent der Jugendlichen zwischen 12 und 17 – etwa 3 Millionen – nutzen das Internet nicht und etwa ein Zehntel von ihnen berichtet, der Grund seien schlechte Erfahrungen, Restriktionen der Eltern oder ein Gefühl der Unsicherheit.
  • Unter Abwägung aller Vor- und Nachteile glauben Eltern letztendlich, dass das Internet gut für ihre Kinder ist: 67 Prozent der Eltern von das Internet nutzenden Jugendlichen glauben, dass das Internet insgesamt gut für ihr Kind ist; im Dezember 2000 waren es 55 Prozent. Nur 5 Prozent aller Eltern glauben, das Internet sei schlecht für ihre Tochter oder ihren Sohn.



Mehr erfahren Sie unter:
www.pewinternet.org

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Pew Internet & American Life Project

Das Pew Internet & American Life Project ist eine überparteiliche Non-Profit-Organisation mit Sitz in Washington, DC. Sie untersucht die sozialen Effekte des Internet auf das Leben in den USA.







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