Veröffentlicht am: 01.09.19

Europäisches Netzwerk Learning in Later Life

Carmen Stadelhofer/Christian Carls/Markus Marquard

Logo: Europäisches Netzwerk Learning in Later Life
Das Europäische Netzwerk "Learning in Later Life"


Das Europäische Netzwerk "Learning in Later Life" ("Lernen im mittleren und höheren Lebensalter") ist ein 1995 gegründeter Zusammenschluß von Weiterbildungseinrichtungen der Seniorenbildung und bildungsinteressierten älteren Menschen aus 19 europäischen Ländern.

Das Informations- und Kommunikationssystem "LiLL" im Internet

Um den Austausch untereinander zu erleichtern, wurde 1997 eine Plattform im Internet eingerichtet: "LiLL". Inzwischen ist "LiLL im Internet" ein weit entwickeltes, viersprachiges Informations- und Kommunikationssystem. Der Aufbau von "LiLL Online" war Teil eines Modellprojekts, das von der Europäischen Gemeinschaft und dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wurde.


"Learning in Later Life" - Ziele

Übergeordnete Ziele der verschiedenen Aktionsbereiche von LiLL sind,

  • den aktiven Austausch von Weiterbildungsträgern über Angebote, Konzepte, Erfahrungen und innovative Praktiken zu fördern und insbesondere eine Plattform für den europäischen Austausch von Schulungs- und Lernmaterialien und "good practice" zu schaffen,
  • ältere Menschen dabei unterstützen, für sich geeignete Weiterbildungsangebote, Aufgaben und Tätigkeitsfelder zu finden, europaweit Erfahrungen, Ideen und Perspektiven auszutauschen
  • und ältere Menschen zur aktiven Nutzung der neuen Kommunikationstechniken zu befähigen.


In partnerschaftlicher Zusammenarbeit werden die o.g. Ziele von Einrichtungen der Weiterbildung des dritten Lebensalters in Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien und Italien verfolgt. Folgende Aktivitäten und Ergebnisse dienen der Zielerreichung:

  • Qualitative und quantitative Recherchen über Weiterbildungseinrichtungen für ältere Menschen in ganz Europa und entsprechende Aktualisierung und Präsentation im Informations- und Kommunikationsnetz "LiLL im Internet" -

  • Entwicklung, Erprobung und Evaluation von Schulungskonzepten zur Qualifizierung älterer Menschen im Umgang mit neuen Kommunikationstechnologien.

  • Erstellung und Erprobung von Hilfen zum selbstgesteuerten Lernen über das Internet

  • Förderung von Gruppen "Forschenden Lernens" und Präsentation von Arbeitsergebnissen im Internet (z.B. Zeitzeugenberichte, Wirtschaftsstandort D und viele andere Themen)

  • Bereitstellung einer Plattform für Selbstpräsentation, Diskussion und Austausch.

Unterstützend organisiert das ZAWiW Weiterbildungsseminare mit der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg.

In dieser Reihe findet Anfang März - gemeinsam mit Bundeszentrale für Politische Bildung und der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg die nächste Veranstaltung statt (Neue Lernkultur in der politischen Bildung: Multimediale Ideenwerkstatt am Beispiel Deutschland - 50plus. Lebenswelten von Ost und West).


Gesellschaftliche, pädagogische und didaktische Ansätze

"Europäisierungvon Erfahrungen und Perspektiven in der Weiterbildung"

Die Erfahrungen aus dem 1995 gegründeten europäischen Netzwerk "Learning in Later Life" zeigen, daß der Vergleich mit anderen Einrichtungen und neuen Entwicklungen und Strategien in der Weiterbildung für ältere Menschen bisher in den verschiedenen Ländern vorrangig auf nationale Perspektiven beschränkt bleibt. Die strukturellen, formalen und inhaltlichen Unterschiede zwischen den verschiedenen Ländern sind in diesem Bereich beträchtlich und erschweren die Übersetzung internationaler Erfahrungen in das jeweils vertraute nationale System.

LiLL ist durch seinen mehrsprachigen Ansatz im Dokumentations- und Kommunikationsbereich von vornherein auf eine konsequente Internationalisierung der Perspektivität angelegt (4sprachige Gestaltung der Webseiten, mehrsprachige Publikationen, Übersetzungen national erstellter Materialien). Diese Herangehensweise hat sich insbesondere auch bei der Nutzung von "LiLL im Internet" durch ältere Menschen hervorragend bewährt. Gerade bei ersten Zugängen zum Internet sind viele Ältere zunächst "dankbar", wenn sie interessante Angebote in ihrer Muttersprache finden. Über die mehrsprachige, internationale Anlage von LiLL wird bei der weiteren Nutzung des Internets über das Portal "LiLL" eine europäisch orientierte Nutzung der Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten auf pädagogisch gute Weise vorangebracht.

"Partizipation": Beteiligung älterer Menschen in allen Bereichen des Projekts

Beim Gesamtprojekt LiLL wird von Beginn an konsquent darauf geachtet, daß ältere Menschen an allen Bereichen des Projekts aktiv partizipieren, z.B. bei:

  • dem weiteren Ausbau der Webseiten von LiLL im Internet (so gibt es z.B. in Ulm eine Projektgruppe älterer Menschen, die Webseiten für LiLL erstellen; andere Gruppen älterer Menschen in Ulm und bei den anderen Partner beteiligen sich an Recherchen zum Ausbau von LiLL und an der Evaluation der Webseiten).
  • der Präsentation von Ergebnissen forschenden Lernens im LiLL (viele neue Berichte in diesem Bereich wurden von den Gruppen selbständig für das Netz aufbereitet)
  • der Entwicklung und Erprobung von Materialien zum Fernlernen über das Internet (viele der neuen "themenbezogenen Lernmodule" im LiLL (www.uni-ulm.de/LiLL/ modules) wurden von Gruppen älterer Menschen entwickelt)
  • der Durchführung von Kursen zu Anwendungsbereichen des Internets; inzwischen sind im Projekt viele beteiligte Seniorinnen und Senioren in der Lage, Anfängerkurse zum Internet selbständig durchzuführen oder Kurse als Co-TrainerInnen oder "TutorInnen" zu begleiten.
  • der Evaluation des Projekts im Sinne forschenden Lernens (so gibt es in allen Partnerländern Gruppen forschenden Lernens, die sich mit der Fortentwicklung und Bewertung verschiedener Bereiche des Projekts befassen).

"Produktivität des Alters"

Der Strukturwandel des Alters und die neuen gesellschaftlichen Erfordernisse haben in den Bereichen der Gerontologie und sozialen (Alten-)Arbeit zu veränderten Konzepten geführt, die sich um die Stichworte "Kompetenz" und "Produktivität" im dritten Lebensalter ranken. Konkrete Umsetzung finden diese Überlegungen in der "Förderung freiwilligen sozialen Engagements", der "Vorbereitung auf nachberufliche Tätigkeitsfelder" und im weiteren der Förderung "bürgerschaftlichen Engagements". In diesem Kontext kommt der allgemeinen wissenschaftlichen Weiterbildung eine neue, wichtige Bedeutung zu: den interessierten Bürgerinnen und Bürgern aller Altersstufen die Möglichkeit zu geben, auf der Grundlage ihres im Lebenslauf erworbenen Wissens und ihrer Erfahrungen sich mit den neuesten Entwicklungen und Erkenntnissen der Wissenschaft in allen Bereichen auseinanderzusetzen, die für die Gestaltung von Gegenwart und Zukunft von Bedeutung sind und ihnen dadurch eine aktive Teilnahme an der Gestaltung der Gesellschaft zu ermöglichen.

Viele Einrichtungen suchen entsprechend nach Möglichkeiten, dieser Entwicklung durch reformierte oder neue, innovative Formen des Lernens und der Weiterbildung gerecht zu werden. LiLL unterstützt als Kommunikations- und Dokumentationsplattform den Erfahrungsaustausch zwischen den einzelnen Einrichtungen und setzt Impulse in wichtigen Innovationsfeldern. Dazu gehören vor allem die Initiierung von Gruppen forschenden Lernens und die Veröffentlichung der Arbeitsergebnisse dieser Gruppen im Internet und auf anderen Wegen (das European Bulletin Learning in Later Life III hat Forschendes Lernen als Schwerpunktthema).

Ältere Menschen sind nach den Erfahrungen, die im Netzwerk gemacht wurden, den neuen Kommunikationstechniken gegenüber aufgeschlossen und an deren Erprobung interessiert. Allerdings besteht die Gefahr eines circulus vitiosus: Der weitgehend fehlende Zugang älterer Menschen zum Internet führt dazu, daß es wenig geeignete zielgruppenorientierte Angebote im Netz gibt. Wenn man davon ausgeht, daß ältere Menschen in (wenn auch unterschiedlicher) Weise kohortenspezifische Zugangsweisen und Interessen aufweisen - und unsere Erfahrungen deuten darauf hin - dann trägt dieser Umstand wiederum dazu bei, ältere Menschen von der Nutzung des Internets auszuschließen.
Das Internet bietet aber hervorragende Möglichkeiten, in strukturierten Bildungsangeboten Gelerntes auf individuelle Weise zu ergänzen und zu vertiefen und sich länderübergreifend mit anderen Lernenden auszutauschen. LiLL setzt Anreize für die Einrichtungen der Weiterbildung für Ältere, selbst im Netz präsent zu werden und versucht, durch zielgruppengerechte Hilfen beim Erlernen der neuen Techniken und attraktiv


Mehr erfahren Sie unter:
www.uni-ulm.de/LiLL

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