Veröffentlicht am: 24.05.05

Ein kinderleichtes Internet ohne Alterslimit - über die Seniorentauglichkeit von Internetseiten

Mag. Daniela Feuersinger, Projektleitung Seniorkom, Seniorkom

Die demographische Entwicklung, die sich im deutschsprachigen Raum Europas abzeichnet, zeigt eine zunehmende Überalterung der Bevölkerung. Infolge sinkender Geburtenraten und gleichzeitiger Erhöhung der Lebenserwartung nimmt der Anteil der über 60jährigen außerordentlich stark zu.

In einer Gesellschaft, in der Kommunikation und Information untrennbar mit dem Internet verbunden sind, entsteht durch den geringen Prozentsatz an Senioren, die online sind, eine Kluft zwischen den Generationen. Diese Spaltung, in den Medien gerne als Digital Divide bezeichnet, hat mehrere Gründe: mangelnde Ausbildung, finanzielle Barrieren, Angst vor der Technik oder mangelndes Interesse. Aber auch die vorhandenen, nur teilweise seniorentauglichen Angebote im Internet erschweren den Zugang für die ältere Generation.

Viele ältere Menschen glauben, dass sie schlicht zu alt fürs Internet sind. Das überrascht nicht, denn in den Medien wird das Internet meist so dargestellt, als sei es nur für junge und berufstätige Menschen. Aber gerade die Älteren sind eine interessante Anwendergruppe.

Damit die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien die Lebensqualität von älteren Menschen steigern können, muss sich die Technik den menschlichen Bedürfnissen anpassen und nicht umgekehrt.

Ein zentraler Aspekt bei der Erforschung von seniorentauglichen Internetseiten ist die Betrachtung altersbedingter Veränderungsprozesse. Um Probleme und Schwierigkeiten für Benutzer von Webseiten zu minimieren, ist es nötig, die Usability (Gebrauchbarkeit) einer Webseite zu erhöhen. Je nach Erfahrungsgrad der Anwender sind die Anforderungen an eine Webseite unterschiedlich. Für erstmalige Benutzer steht Effektivität, Erratbarkeit, Selbsterklärungsfähigkeit im Vordergrund.

Bei der Interaktion zwischen Mensch und Computer spielen in der Sensorik vor allem visuelle und auditive Wahrnehmungen eine Rolle. Im visuellen Bereich liegen die auffälligsten Merkmale seniorenspezifischer Interfacegestaltung, die aber nicht nur bei der Zielgruppe zum Tragen kommen können, sondern alle Alterstufen betreffen, wobei das Defizit meist nach Alter zunimmt. Einschränkungen der Motorik kommen vor allem bei der Anwendung der Maus zum Tragen. Ältere Menschen brauchen länger sich mit dem Internet vertraut zu machen, da sie nie gelernt haben, sich in derart komplexen, nicht linearen Systemen zurecht zu finden. Die Aufmerksamkeit erfolgt eher selektiv, so dass nur klar und einfach strukturierte Informationen erfasst und verarbeitet werden können. Besonders wirkungsvoll ist daher eine sich wiederholende Struktur. Dies fördert ein dauerhaftes Lernen und Verstehen. Eine klare, eindeutige, ruhige und homogene Informationsdarstellung hilft nicht nur älteren Menschen sich zu recht zu finden, sondern erfreut und erleichtert auch Junge das interaktive Leben.

Aber, es gibt auch viele Gründe, warum das Internet und Senioren gut zusammenpassen, hier die offensichtlichsten:
  • Senioren wissen viel, haben viel Lebenserfahrung, und gerade das will und braucht das Internet als Medium der Wis-sensgesellschaft;
  • Um geistig fit zu bleiben, ist es für Senioren wichtig, regelmäßig zu trainieren, und wo geht das einfacher als bei der Beschäftigung mit dem Internet;
  • Gerade wenn ältere Menschen körperliche bzw. gesundheitliche Probleme haben, kann die Verwendung des Internet das Leben leichter machen. Online-Shopping, Behördenwege oder Kommunikation mit anderen nur als Beispiele;

  • Auch wenn der Computer ein technisch kompliziertes Gerät ist, ist doch die Anwendung des Internet relativ einfach;
  • Der Trend geht zu immer aktiveren ältern Menschen, und durch das Internet können sie nicht nur aktiv sein, sondern es auch für ihre Mitbestimmungsrechte nutzten;
  • Gerade das Internet fördert eine Vernetzung der Generationen. Junge Menschen helfen älteren und ältere Menschen können somit einfach Kontakt zu Jugendlichen bekommen.

Musterschüler: Seniorkom.at - Das Internet ist reif!

Ein gelungenes Beispiel für eine seniorentaugliche Internetseite ist die österreichische Seite www.seniorkom.at. Bei der Konstruktion der Seite wurden nicht nur wissenschaftlich erforschte Usability-Kriterien für Internetseiten angewandt, es wurden auch mittels Fokusgruppen spezielle Anforderungen von Senioren abgetestet und in das Projekt integriert.

Seniorkom ist eine Initiative des Österreichischen Seniorenrates, allen voran der Präsidenten Karl Blecha und Stefan Knafl, des ECHO Medienhauses, sowie der Telekom Austria, Microsoft und anderen Wirtschaftspartnern. Der Bundespräsident Dr. Heinz Fischer steht als Schirmherr an der Spitze der Kampagne, verleiht ihr absolute Überparteilichkeit und verstärkt das große sozialpolitische Anliegen: den Kampf gegen den Digital Divide in Österreich. Seniorkom soll älteren Menschen den Einstieg ins Internet erleichtern.

Seniorkom.at bietet Informationen, Service und viele aktuelle Themen mit zahlreichen spannenden Funktionen - gemacht für Menschen, die das Internet genießen und sich nicht damit plagen wollen. Besonders wichtig war uns nicht nur eine leichte Bedienbarkeit, eine sehbehindertentaugliche Umsetzung (Einstellung von Kontrasten und Farben und der Schriftgröße per Mausklick) in Zusammenarbeit mit dem Wiener Blinden- und Sehbehindertenverband, sondern auch ein großer regionaler Schwerpunkt (Informationen aus dem Heimatbezirk).


Mehr erfahren Sie unter:
www.seniorkom.at

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Mediennutzung durch SeniorInnen / Aktivitäten für SeniorInnen, Zielsetzung, Vorgehensweise zur Überwindung der Digitalen Spaltung, Barrierefreiheit