Veröffentlicht am: 20.04.21

Interview | Im Gespräch mit lokalen Bündnispartnern aus Leverkusen über die Potentiale von „Kultur trifft Digital“ für Mädchen | Girls’Day 2021

Das Projekt „Kultur trifft Digital“ ist für alle da! Dennoch merken wir immer wieder, dass an unseren Workshops vor Ort vor allem Jungs teilnehmen - und das möchten wir gerne ändern! Anlässlich des heutigen Girls’Day 2021 haben wir mit Mirjam Wandhoff vom Kommunalen Bildungsbüro Leverkusen über die Potentiale unseres Projekts für Mädchen gesprochen. Das Bildungsbüro ist lokaler Bündnispartner im Projekt „Kultur trifft Digital“ und setzt dieses gemeinsam mit dem MaBuKa Mädchentreff, dem Jugendhaus Rheindorf und dem Haus der Jugend Leverkusen als reines Mädchenprojekt um.

Zwei Mädchen mit Kopfhörern am Tablet

Warum haben Sie sich für das Projekt „Kultur trifft Digital“ entschieden? Welchen Mehrwert hat das Projekt für den Mädchentreff?

Das Projekt „Kultur trifft Digital“ hat uns besonders gut gefallen, weil es das Digitale mit dem Künstlerischen und mit Kultur verbindet. Dieser kreative Schaffensprozess, aber auch, dass bei dem Projekt der spielerische Aspekt im Vordergrund steht und es so weniger Hemmschwellen für die Kinder und Jugendlichen gibt, hat uns sehr angesprochen.

Uns ist aufgefallen, dass sich bei vielen Angeboten, gerade im MINT Bereich, hauptsächlich Jungs anmelden. Da haben wir uns gefragt, warum ist das so und muss das so sein?
Um die Hemmschwelle für Mädchen abzubauen, wollten wir ihnen einen geschützten Raum bieten. Wir haben uns bewusst überlegt, weibliche Betreuerinnen dafür zu gewinnen - so sind wir auf den MaBuKa Mädchentreff gekommen. Aber auch Mädchen aus anderen Jugendhäusern haben die Möglichkeit, an dem Projekt teilzunehmen. Zudem haben wir um eine weibliche Medienpädagogin gebeten, in diesem Fall Frau Stahl. Da nochmal herzlichen Dank an die Stiftung, die das auch möglich gemacht hat. Das alles haben wir wegen der Vorbildfunktion gemacht. Wir wollten den Teilnehmerinnen zeigen, dass auch Frauen in diesem Bereich arbeiten. Dass es grundsätzlich ein Bereich ist, der sich für Mädchen und Frauen erschließt.

Und: Das Bewegen im digitalen Raum wird immer wichtiger. Das merken wir ja gerade ganz konkret, dass sich unser Leben ins Digitale verschiebt. Das hat natürlich auch mit der Corona-Pandemie zu tun, aber auch unabhängig davon geht der Trend in Richtung des Digitalen. Ohne Zugang zu diesem Bereich, hat man natürlich auch weniger Möglichkeiten der Teilhabe. Darum ging es uns im Wesentlichen, diesen Raum zu öffnen. Es ist total wichtig, einen Zugang zu schaffen, um genauso wie in der analogen Welt auch Räume mitgestalten zu können - unabhängig vom Geschlecht.

Wie haben die Mädchen das Projekt „Kultur trifft Digital“ aufgenommen?

Die Medienpädagogin Dörte Stahl hat den Digitalen Orientierungsparcours, der am 28.02. stattgefunden hat, als reines Online-Format durchgeführt, da die Pandemie-Situation keine Präsenzveranstaltung zugelassen hat. Den Mädchen und auch mir hat es sehr gut gefallen. Dass unser Vorhaben voll aufgegangen ist, hat sich an dem Punkt gezeigt, als für die Mädchen ganz klar war: Ich kann mich hier ganz frei bewegen, ich darf Fehler machen, ich kann anderen Mut machen. Ich kann mich zeigen. Die Teilnehmerinnen haben sich auch Feedback untereinander gegeben. Das war ein Raum, wie wir Pädagoginnen ihn uns vorgestellt haben, wo die Hemmschwelle, sich mit digitalen Medien auseinander zu setzen, überhaupt nicht zu spüren war. Wo jede etwas machen konnte, aber nicht musste. Das war das Gute an der Umsetzung des Projektes: Jede darf, niemand muss. Das hat den Druck genommen, die eigenen Ergebnisse zeigen zu müssen. Und daher haben letztendlich auch ganz viele Mädchen etwas gezeigt, etwas gemacht, etwas Neues ausprobiert. Ich fand es sehr lebendig.

Wo liegen Hürden für Mädchen, an Projekten mit IT-Bezug, wie „Kultur trifft Digital“, teilzunehmen?

Ich glaube es gibt da zwei Punkte: Zum einen ist es das Interesse an einem Thema, warum ich mich bei einer Veranstaltung anmelde. Ich kann aber nur Interesse für etwas entwickeln, was sich mir auch erschließt. Wenn ich einen großen Abstand habe, habe ich auch keinen Zugang dazu. Da erst einmal hin zu kommen, hinein zu schnuppern, zu erfahren, was gibt es eigentlich für Möglichkeiten im digitalen Bereich, ist die erste Hürde. Einige Teilnehmerinnen waren beim Digitalen Orientierungsparcours, der erst einmal einen Überblick geben soll, überrascht, was man da so alles machen kann, z.B. bei der Digitalen Sprache oder der Digitalen Realität. Da gab es ganz viele Dinge auszuprobieren. Dort aber erst einmal hinzukommen, zu dem Punkt: „Musik zu komponieren mit dem Tablet oder einen Film zu drehen interessiert mich.“ Das ist eine Herausforderung.

Der zweite Punkt ist die Hemmschwelle der Teilnahme. Wenn Mädchen wissen, sie melden sich für einen Kurs an und sind dann fast ausschließlich unter Jungs, halten sie sich zurück, trauen sich nicht, entscheiden sich eher dagegen und machen mit ihren Freundinnen lieber etwas Anderes. Ich denke aber, es wird zum Selbstläufer, wenn mehr und mehr Mädchen so etwas ausprobieren. Die Mädchen geben ihre Einblicke und Erfahrungen weiter, so kann sich ein Interesse entwickeln und gleichzeitig die Hemmschwelle der Teilnahme abgebaut werden. Das haben wir deutlich gemerkt, dass man, wenn man so etwas als reines Mädchenprojekt anbietet, eine positive Lawine lostreten kann.

Wie kann man Ihrer Meinung nach mehr Mädchen für solche Projekte motivieren und Hemmschwellen abbauen?

Das ist natürlich auch eine pädagogische Aufgabe, die Mädchen dort hinzuleiten, ihnen eine Vorstellung davon zu geben, was in diesem Bereich alles möglich ist. Ich finde, das Projekt „Kultur trifft Digital“ ist sehr ansprechend und erfolgreich, weil es Kreativität und Digitales auf so vielfältige Art und Weise verbindet und man die Möglichkeit hat, ganz viel auszuprobieren. Im uneingeschränkten, ungehemmten Raum besteht für Mädchen die Chance, Neues zu entdecken, das sie ausprobieren möchten - und dann kann es losgehen.

Digitale Realitet: Draw Your Game

Mit unserem Projekt „Kultur trifft Digital“ sollen Kinder und Jugendliche dazu ermutigt werden, tradierte Rollenverständnisse und Stereotype von vermeintlich „typisch weiblichen“ und „typisch männlichen“ Interessen und Berufsfeldern zu überwinden. Zum diesjährigen Girls’Day möchten wir darauf aufmerksam machen, dass auch Mädchen sich für Themen wie IT, Technik und digitale Medien begeistern können.
Sie möchten uns bei diesem Anliegen unterstützen und „Kultur trifft Digital“ auch in Ihre Einrichtung holen? Dann bewerben Sie sich jetzt mit einer Interessenbekundung
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