Veröffentlicht am: 19.12.16

Medienzeit, Smartphone-Regeln und Co - Was Eltern beschäftigt

Interview mit Gregory Grund, Digitale Helden

Eltern mit Kind vor dem Tablet

Die Welt der Heranwachsenden hat sich durch die Digitalisierung in den letzten zehn Jahren sehr verändert. Eltern stehen heute vor der Herausforderung den Rahmen für die Mediennutzung ihrer Kinder abzustecken, ohne dass sie auf frühere Erfahrungen aus ihrer Kindheit und Jugend zurückgreifen können. Gregory Grund ist Medienpädagoge im Rahmen des bundesweiten Mentorenprogramms „Digitale Helden“ und gibt uns einen Überblick über Fragen und dazu passende Antworten von Eltern zur Mediennutzung ihrer Kinder.

Herr Grund, welche Fragen sind denn die häufigsten, die Eltern an Sie richten?

Eltern stellen sehr häufig die Frage, ab welchem Alter ein Smartphone Sinn macht. Sie möchten auch wissen, wieviel Zeit ihre Kinder mit der Mediennutzung verbringen können.

Welche Antwort geben Sie Ihnen auf die Frage nach dem Alter in Zusammenhang mit dem Smartphone?

Das biologische Alter ist weniger wichtig, als der Grad der emotionalen Reife und des Verantwortungsgefühls des Kindes. Was genau soll das Kind mit dem Gerät tun können? Reicht für den Einstieg ein Handy oder ein Smartphone ohne Internet-Flatrate? Viele Expertinnen und Experten befürworten ein höheres Einstiegsalter (zum Beispiel 14 Jahre), als es heute in der Praxis oft der Fall ist. Wichtiger als das tatsächliche Alter ist die Bereitschaft von Eltern, die Medienerlebnisse ihrer Kinder eng zu begleiten und sich bei Bedarf auch die Zeit nehmen, darüber zu sprechen.

… Und die Frage nach der Zeit, in der Kinder Medien nutzen?

Die Frage zur Zeit und Mediennutzung ist wiederum abhängig vom Alter des Kindes. Dabei ist es aber noch wichtiger, auf die Qualität der Mediennutzung zu achten. Konsumiere ich passiv oder werde ich zu eigenem kreativen Tun aktiviert? Eltern sollten es ihrem Kind auf jeden Fall leicht machen, ein Gefühl für die Zeit bei der Mediennutzung zu entwickeln. So lernen Kinder für später, ihre Mediennutzung selbst zu regulieren. Eltern können zum Beispiel eine Uhr mit dem vereinbarten Zeitlimit in die Hörweite des Kindes beim Spielen am Computer aufstellen.

Was möchten Eltern darüber hinaus von Ihnen wissen und wie antworten Sie als Medienpädagoge darauf?

Eltern interessiert, wie sie ihre Kinder vor Gefahren im Netz schützen können. Eltern können beispielsweise mithilfe von Kinder- und Jugendschutzprogrammen oder Kinderbrowsern die Wahrscheinlichkeit reduzieren, dass Kinder mit irritierenden Inhalten konfrontiert werden und mehr Zeit als verabredet an den Geräten verbringen. Auf Smartphones können zudem mit zusätzlichen Apps beispielsweise eine Zeitbegrenzung pro App und Tag installiert werden. Wichtig ist aber, dass solche Programme kein Auto-Pilot in der Medienerziehung sind und die Programme klare Grenzen haben. Es gibt zum Beispiel keine Möglichkeit, unpassende Videos oder Fotos in Chats von WhatsApp kindgerecht zu filtern.

Auch die Frage nach dem Aufsetzen von Mediennutzungsregeln wird immer wieder gestellt. Wir empfehlen Eltern, erst mit ihrem Partner über Regeln und Befürchtungen zu sprechen. Dann sollten sie die Wünsche und Vorstellungen ihrer Kinder bei der Smartphone-Nutzung abfragen und offen mit ihren Befürchtungen wie die Nutzungsdauer sprechen. Kinder können hier Vorschläge machen. Wenn Eltern es schaffen, dabei nicht anklagend zu wirken und sich auf ihre Vorbildfunktion einlassen, kommen oft sehr gute Impulse von den Kindern und Jugendlichen.

Neben konkreten Antworten auf die vielen Fragen, suchen Eltern auch nach vertraulichen Ansprechpartnern. Wir raten Ihnen sich mit Freunden und anderen Eltern auszutauschen, da sich alle Eltern mit der Herausforderung Medienerziehung befassen müssen. Sie können das Thema auch in die Schule tragen und sich beispielsweise für einen Elternabend stark machen oder bei Familienzentren oder Bibliotheken nachfragen.

Weitere Informationen

Das Mentorenprogramm Digitale Helden, ermöglicht es Schulen, eigenständig Schülerinnen und Schüler der Stufen acht und neun zu Multiplikatoren für die Unterstufe auszubilden. Die fast gleichaltrigen Mitschüler können so auf Augenhöhe zuhören und Tipps für die Mediennutzung geben. Aktuell sind bereits mehr als 80 Schulen in acht Bundesländern Teil des Netzwerks und es werden jährlich mehr. Eltern und Multiplikatoren sind herzlich zu den kostenfreien Online-Seminaren eingeladen: www.digitale-helden.de/onlineseminare.





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