In Manchester (Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Nordirland) kamen in dieser Woche vom 14. bis zum 16. April Vertretende aus Industrie und Wirtschaft, Regulierung und Verwaltung sowie der Zivilgesellschaft zusammen um sich gegenseitig zu aktuellen Entwicklungen im Bereich der Altersfeststellung zu informieren. Nachdem die beiden vorangegangenen Global Age Assurance Standards Summits sich den Gründen und Vorteilen einer Standardisierung (2024) sowie der Schaffung einer effektiven Regulierung (2025) gewidmet haben, stand in diesem Jahr die Umsetzung und Verwirklichung von Maßnahmen der Altersfeststellung im Fokus der Konferenz. In zahlreichen Veranstaltungen konnten Vorträgen auf der Hauptbühne gehört, in Workshops gemeinsam gearbeitet und beraten sowie der Präsentation von neuen Innnovationen gefolgt werden. Begleitend zur Konferenz fand ebenso die ISO/IEC 27566 Masterclass sowie erstmals die Verleihung der Age Assurance Industry Awards statt.
In vielen dieser Veranstaltungen standen dabei auch die Interessen und Rechte von Kindern im Zentrum. Neben Fragen des Jugendschutzes in der Öffentlichkeit, bspw. beim Erwerb von Alkohol oder Tabak, drehten sich viele Gespräche und Beratungen darum, wie Methoden der Altersfeststellungen im digitalen Umfeld eingesetzt werden können, um junge Menschen altersangemessene Online-Erfahrungen zu ermöglichen und sie vor Risiken und Gefahren des digitalen Umfelds schützen zu können. Kritische Auseinandersetzungen kamen dabei nicht zu kurz. So verwies Pratishtha Arora von Social Media Matters in der Sitzung „Social Media Metters – Beyond the Ban: Building Age Assurance That Actually Works for India´s Children” darauf, dass das australische Modell sich nicht einfach auf Indien übertragen lasse, wenn regionale und kulturelle Bedürfnisse Berücksichtigung finden sollen. Auch in der Gesprächsrunde „Five Regulators. One Stage. Your Questions.” wurde betont, dass die Übersetzung von Regulierung in Umsetzung und Anwendung Herausforderungen mit sich bringen kann, bei der verfassungsrechtliche und individuelle Rechte miteinander in Ausgleich gebracht werden müssen. Mit Blick auf minderjährige Nutzende des digitalen Umfelds stellte Katie Searle von der britischen Datenschutzbehörde in der Session „ICO – Age Assurance that stands up to scrutiny“ klar, dass es keine Entscheidung zwischen dem Datenschutz und der Sicherheit von Kindern bei der Verwirklichung von Altersfeststellung geben darf. Beides müsse gleichermaßen realisiert werden. Damit es nicht zu einem Gegeneinander verschiedener Positionen und Ansätze kommt, muss eine klare Sprache genutzt werden, die nachvollziehbar ist und keine Mehrdeutigkeit zulässt, wie Joel R. McConvey von BiometricUpdates betonte. Und für die 5RightsFoundation verwies Manon Letouche darauf, dass die richtigen Fragen gestellt werden müssen, um zu zielführenden Antworten kommen zu können. Demnach sei nicht die Suche nach dem richtigen Alter, ab dem Kindern Angebote sozialer Medien nutzen können, der korrekte Weg. Vielmehr müssen diese Angebote grundsätzlich sicher und adäquat für die Interessen und Bedürfnisse auch junger Nutzender gestaltet werden.
Neben den Themen zur Motivation und Anwendungsweise von Methoden der Altersfeststellung gab es auch reichlich Einblicke in gegenwärtigen Prozesse zur Entwicklung und Umsetzung dieser sowie zu aktuellen Herausforderungen. So berichtete Ricardo Lins Horta vom brasilianischen Justizministerium vom Gesetzgebungsprozess über die Einführung von Altersfeststellungen für Anbieter digitale Dienste, um Kinder und Jugendliche online vor Pornografie, Glücksspiel ähnlichen Mechanismen in Onlinespielen oder auch sozialen Medien schützen zu können. Robin Tombs von Yoti informierte zu weiteren Entwicklungen und Maßnahmen um Altersfeststellungen sicherer zu gestalten und vor Manipulation und Täuschung schützen zu können und seitens der Europäischen Kommission wurde auf der Konferenz die fertiggestellte App zum Nachweis des Alters mit der EUDI-Wallet vorgestellt. Diese ermöglicht es anonym und sicher ein verlässliches Alterssignal an digitale Dienste zu übermitteln ohne weitere Informationen zur eigenen Identität zur Verfügung stellen zu müssen. Diese technische Lösung ist ein zentraler Baustein für ein etwaiges Verbot sozialer Medien für Kinder und Jugendliche, wie es in vielen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union diskutiert wird. Gleichermaßen kann das Alterssignal der EUDI-Wallet aber auch dafür genutzt werden, jungen Nutzenden des digitalen Umfelds sichere und altersgerechte digitale Räume zu eröffnen und damit einen Beitrag zur Teilhabe und Entfaltung junger Menschen leisten.
Alle Teilnehmenden des Global Age Assurance Standards Summit waren eingeladen an einem Communiqué der Konferenz zu arbeiten. Dieses stellt keinen Beschluss, gleichwohl einen weitgehenden Konsens dar und kann hier nachgelesen werden.
