Von Landes- und Bundesschülerausschüssen bis zum Youth Panel von klicksafe: Kinder- und Jugendorganisationen in ganz Deutschland haben sich in den vergangenen Monaten mit der Frage befasst, wie das Internet und soziale Medien sicherer gestaltet werden können. Jugendliche tragen damit zum Diskurs rund um den Kinder- und Jugendmedienschutz bei, viele von ihnen auch bereits vor dem aktuellen Diskurs um mögliche Altersgrenzen. Schließlich sind sie Expert*innen ihrer eigenen Lebenswelt. Zuletzt hat der Jugendrat der Medienanstalt Berlin-Brandenburg mit einem Impulspapier konkrete Lösungsansätzen zu den Themen beigetragen. Die Positionen kommen mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung zum selben Grundtenor: Junge Menschen sprechen sich gegen pauschale Verbote aus und drängen auf eine stärkere Regulierung der Plattformen.
Nachstehend fassen wir wiederkehrende Argumente junger Menschen zusammen:
- Angebote sozialer Medien eröffnen Chancen für Kreativität, Austausch und Vernetzung, bringen aber auch Herausforderungen mit sich: von Desinformation über suchtfördernde Algorithmen bis hin zu manipulativen Gestaltungen, wie bspw. Dark Patterns .
- Digitale Teilhabe ist ein Kinderrecht. Online-Räume ermöglichen Information, Austausch und Vernetzung. Besonders für vulnerable Gruppen können sie wichtige Orte der Unterstützung und gesellschaftlichen Teilhabe sein.
- Jugendliche kennen die Risiken gut und fordern klare Regeln zur Gestaltung der Plattformen, altersgerechte Angebote und Konsequenzen für Nutzer*innen , weil sie beispielsweise gewalthaltige und/oder jugendgefährdende Inhalte posten und die Regeln und Gesetze nicht einhalten.
- Bestehende Regulierungen, wie z. B. der Digital –Services Act oder Vorgaben zum jeweiligen Mindestalter in den spezifischen AGB werden jedoch kaum durchgesetzt. Hier sollte angesetzt werden, statt neue Verbote zu schaffen.
- Präventionsarbeit ist zu den Themenbereichen „Family Influencing“, „Mediensucht“ und „Politische Radikalisierung“ unerlässlich – sowohl bei Kindern als auch bei den Erziehungsverantwortlichen und Lehrpersonal.
Zusammenfassend fordern Jugendorganisationen verpflichtende Medienkompetenz- und Fortbildungsangebote an Schulen (z. B. einen „Digitalführerschein“), die konsequente Durchsetzung des Digital Services Acts und die Regulierung suchtfördernder sowie nicht kindgerechter Plattformfunktionen, eine stärkere Beteiligung junger Menschen an Gesetzgebungsprozessen sowie niedrigschwellige Beratungs- und Hilfsangebote.
Überblick der Positionen von Jugendorganisationen:
- Arbeiterwohlfahrt (AWO) (Januar 2026): Social Media Verbot bis 16 Jahre?
- Bundesschülerkonferenz (Januar 2025): Keine Zukunft ohne Medienkompetenz: Nein zum Smartphoneverbot!”
- Bund der Deutschen Katholischen Jugend (Januar 2026): Nein zu pauschalen Social Media Verboten
- Deutsche Bundesjugendring (DBJR) (April 2026): Pauschale Social-Media-Altersgrenzen verkennen die digitale Realität
- Landesschülerausschuss Berlin (2026): Die Auswirkungen von sozialen Medien auf Schüler*innen
- Jugendrat der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) (Juni 2026): mabb-Jugendrat_Impulspapier_2026.pdf
- Youth Panel klicksafe: Tipps und Forderungen an ein besseres Internet für Kinder und Jugendliche (November 2025):Youth-Panel-Guide_Infobroschuere_klicksafe.pdf & Artikel (April 2026) Das Youth Panel zu Gast bei der Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“